Nicht nur die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt, auch die Pflege- und Versorgungssituationen werden komplexer. Dementsprechend steigen auch die Anforderungen an den professionellen Pflegeberuf. In jüngster Zeit wurden Gesetze verabschiedet, beispielsweise das Pflegestudiumsstärkungsgesetz und das Pflegeberufegesetz, die die hochschulische Pflegeausbildung stärken.
Der Wissenschaftsrat der Bundesregierung empfiehlt bereits seit 2012 eine Akademikerquote in der Pflege von zehn bis zwanzig Prozent. Gesamt gesehen sind es in Deutschland nur ein bis zwei Prozent. Die Akademikerquote in der direkten pflegerischen Versorgung ist noch niedriger, wobei die ambulante und stationäre Langzeitpflege den Krankenhäusern nochmals zahlenmäßig nachgeordnet ist.
Internationale Studien belegen, dass sich die pflegerische Versorgung verbessert und die Sterblichkeitsrate sinkt, wenn akademisch ausgebildete Pflegefachpersonen das Team verstärken. Mit den Akademiker*innen kommt deshalb nicht nur ein neuer, innovativer Spirit ins Team, sondern eine echte Verbesserung der pflegerischen Versorgungsqualität. Die bisherigen ausbildungsintegrierten Studiengänge mit den drei Lernorten Berufsfachschule, Hochschule und Praxis werden nun durch das neue Studium Pflege (B.Sc.) primärqualifizierend (dual) an zwei Lernorten (Hochschule und Pflegepraxis abgelöst. Die theoretischen Inhalte werden ausschließlich hochschulisch gelehrt. Vor diesem Hintergrund verpflichten sich die Hochschulen - auch die EH Ludwigsburg - alle Inhalte der pflegeberuflichen Ausbildung in das Hochschulstudium zu integrieren und es auf ein höheres Niveau anzuheben. Das Lernen in der Pflegepraxis bleibt weiterhin elementarer Bestandteil des Studiums. Die Studierenden erhalten für die gesamte Dauer ihres siebensemestrigen Studiums eine Ausbildungsvergütung vom Träger der praktischen Hochschulausbildung.
In den theoretischen Phasen des primärqualifizierenden Pflegestudiums erwerben Studierende an der EH Ludwigsburg ein wissenschaftlich fundiertes Wissen für professionelles pflegerisches Handeln. Die Studierenden erlernen neben pflege- und pflegewissenschaftlichem Wissen auch Kenntnisse zu medizinischen, naturwissenschaftlichen und psychosozialen Grundlagen, beispielsweise Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie, Pharmakologie, Psychologie und Soziologie. Einen besonderen Stellenwert nehmen zudem rechtliche, ethische und berufspolitische Fragestellungen, insbesondere Themen wie Gerechtigkeit, Teilhabe und Machtverhältnisse im Gesundheitswesen, ein. Vulnerablen Gruppen, zum Beispiel Kindern, älteren Menschen oder Menschen mit lebensbegleitenden Behinderungen, gilt eine besondere Aufmerksamkeit. Inhalte zu interprofessioneller Zusammenarbeit, Prävention, Digitalisierung sowie zu Klima-, Umwelt- und Katastrophenschutz stärken die Studierenden darin, Pflege auch unter Krisenbedingungen verantwortungsvoll, nachhaltig und systemrelevant zu gestalten. Die hochschulische Ausbildung befähigt sie, Pflege wissenschaftlich und fachlich fundiert, gesellschaftskritisch reflektiert und zukunftsorientiert mitzugestalten.
Die Studierenden immatrikulieren sich an der Hochschule. Gleichzeitig schließen sie einen Ausbildungsvertrag mit einem Träger der praktischen Hochschulausbildung, also einem Krankenhaus oder einem Träger der ambulanten oder stationären Langzeitpflegeeinrichtung, ab. Sie erwerben zwei Abschlüsse: die Berufszulassung zur Pflegefachperson und den akademischen Grad des Bachelor of Science (B. Sc.). Zusätzlich erlernen sie heilkundliche Kompetenzen in den Bereichen Demenz, Diabetes mellitus und chronische Wunden. Das neue Studium befähigt auch, Pflege- und Versorgungskonzepte zu entwickeln, die gezielt auf die Bedürfnisse besonders schutzbedürftiger Personengruppen abgestimmt sind, beispielsweise Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen, außerdem für Menschen mit unterschiedlichen kulturellen, biografischen und lebensweltlichen Hintergründen. Das Studium qualifiziert für patient*innennahe Tätigkeiten in der Akutklinik und bereitet zugleich auf spezifische Anforderungen der ambulanten und stationären Langzeitpflege vor. Das Bewerbungsportal öffnet im Mai: https://www.eh-ludwigsburg.de/studium/studienangebot/bachelorstudiengaenge/pflege-bsc. Nähere Informationen erhalten Sie bei Herrn Erik Jacob: e.jajob(at)eh-ludwigsburg.de.

