Lechler Stiftung finanziert erstmals eine Professur über fünf Jahre an der Evangelischen Hochschule.
Prof. Dr. Eva Maria Lohner, Professorin für Psychosoziale Beratung in der Sozialen Arbeit hielt am Dienstag die Antrittsvorlesung ihrer Paul-Lechler-Professur vor 190 Gästen aus Politik, Gesellschaft und Kirche im Foyer der Ev. Hochschule zum Thema „Resilienzentwicklung bei Kindern und Jugendlichen“. Die Lechler Stiftung finanziert die Professur für die kommenden fünf Jahre mit 400.000 Euro.
Wie können junge Menschen unter belastenden Bedingungen seelisch gesund bleiben oder wieder gesund werden und was tragen Familien, Fachkräfte und Institutionen dazu bei? Das war das Thema, das Prof. Dr. Eva Maria Lohner in ihrer Antrittsvorlesung beleuchtete. Die Forschung nennt dieses Phänomen Resilienz. Kinder und Jugendliche, die heute aufwachsen, haben innerhalb weniger Jahre eine Pandemie erlebt, Kriege, Bedrohung durch KI und die Klimaveränderung. Wie geht es ihnen damit und wie können sie unterstützt werden?
Nach den jüngsten Daten zeigt jede:r Fünfte zwischen 7 und 22 Jahren psychische Auffälligkeiten, wie Ängste oder Niedergeschlagenheit. Verstärkt wird die Angst bei Kindern, deren Eltern selbst psychisch belastet sind oder deren Familien beengt wohnen. Hinzu kommt, dass jede:r Fünfte sich einsam fühlt.
Resilienz entsteht in Beziehungen. Und Beziehungen brauchen Bedingungen. Prof. Dr. Lohner führte aus, was Kinder schützt: Unterstützung durch Beziehungen in der Familie, im Freundeskreis oder auch zu Berater:innen. Ihre Professur beschäftigt sich genau damit: Was belastet, was schützt, und was ist Resilienz? „Sie entsteht aus ganz gewöhnlichen Quellen, die die meisten Kinder im Alltag haben“, so Prof. Dr. Lohner, „etwa eine Bezugsperson, die sich kümmert, oder die Erfahrung, etwas zu können.“ Prof. Dr. Lohner studierte Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie in Kassel und Tübingen und promovierte mit dem Thema „Gewaltige Liebe – Praktiken und Handlungsorientierungen junger Frauen in gewaltgeprägten Paarbeziehungen“. Sie ist bis heute in der Beratung tätig.
„Mit der Finanzierung der Paul Lechler Professur ermöglicht die Lechler Stiftung eine Forschung, die sich dem Thema Resilienz aus mehreren Perspektiven widmet“, sagte Rektorin Prof. Dr. Andrea Dietzsch in ihrer Begrüßung. Die Forschung nehme die Förderung von Resilienz im Kontext globaler Krisen, die Entwicklung der Evaluation evidenzbasierter Konzepte, sowie Religiosität und Spiritualität als mögliche Ressourcen in den Blick. Dass diese Themen in Forschung, Lehre und Transfer zusammengeführt werden, sei eine Chance: Wissenschaftliche Erkenntnisse könnten in die Ausbildung und in die Praxis hineinwirken. „1200 Studierende an unserer Hochschule warten schon darauf. Sie werden später in unserer Gesellschaft wirken.“
„Er wäre sicher sehr erfreut, dass eine Professur seinen Namen trägt“, sagte Volker Lechler , Vorsitzender des Stiftungsrats, über seinen Urgroßvater Paul Lechler. Der habe sich sein Leben lang damit befasst, wie er Menschen helfen konnte, Krisen und Ängste zu überwinden. Indem er einen Unterstützungsverein für in Not geratene Arbeiter gründete und von der Politik sozialen Wohnungsbau förderte.“ Paul Lechler stammte aus einfachen Verhältnissen. Ende des 19. Jahrhunderts gründete er eine Firma, die Dichtungsringe herstellte und ließ die Erfindung patentieren. Das Geschäft entwickelte sich erfolgreich. 1928 wurde die Lechler Stiftung gegründet, drei Jahre nach Paul Lechlers Tod, sie unterstützt bis heute Einrichtungen im kirchlichen und sozialen Bereich, aus der Kinder- und Jugendhilfe, Behinderten- und Altenhilfe, Gesundheitspflege und Bildung. „Die Evangelische Hochschule Ludwigsburg zeichnet die Verbindung zwischen Theorie und Praxis aus. Diese Ausrichtung passt sehr gut zu einem Lebensthema meines Urgroßvaters: „Unser Christentum darf nicht nur Weltanschauung sein, sondern muss sich durch die Tat bewähren“.
„Mit dieser Professur stärkt und schärft die Lechler Stiftung ihre Rolle als Förderer von Wissenschaft und Forschung“, sagt Heinz Gerstlauer, seit 20 Jahren im Stiftungsrat, seit acht Jahren Vorstandsvorsitzender. „Das Thema psychische Gesundheit bei Kindern ist uns wichtig.“ 2028 wird die Stiftung hundert Jahre alt. „Es ist die erste Professur, die wir finanzieren.“




















