Acht Professor*innen verbrachten eine Woche im Rahmen der International Assembly an der Evangelischen Hochschule, sie kommen aus den Philippinen, aus Peru, Uganda, Kanada und Indien. Es waren inspirierende Begegnungen, volle Hörsäle, spannende Vorträge, Gespräche, die sich auf den Fluren, im Park oder in der Mensa fortsetzten. Die Dozierenden der EH begleiteten die Gäste in den Vorlesungen.
„Die Ansätze aus dem globalen Süden, insbesondere dekoloniale Perspektiven, aber auch der vorgestellte ökofeministische Ansatz, sind für uns extrem wichtig, weil sie Perspektiven auf Handlungsfelder und den Gegenstand der Sozialen Arbeit erweitern“ erklärt Prof. Dr. Rolf Ahlrichs nach einer Vorlesung von Prof. Peace Musiimenta. Sie kommt von der Makere University in Uganda, die als das „Harvard Afrikas“ gilt. „Die Themen sind globale Herausforderungen, denen eben nur gemeinsam, global und solidarisch begegnet werden kann.“
„Soziale Arbeit ist nie neutral, sondern immer auf eine bestimmte Weltanschauung und eine Vorstellung von gutem Leben als Individuum und Gesellschaft bezogen“, sagt Prof. Dr. Björn Görder nach der Vorlesung von Prof. Tina Wilson von der University of British Colombia in Kanada mit 70.000 Studierenden. „Das wird uns besonders bewusst, wenn wir in die Geschichte schauen und wenn wir uns mit anderen Kulturen und Ländern beschäftigen.“
Die Vorlesung von Prof. Jac Nobiss, ebenfalls von der University of British Columbia in Canada, zeigte auf, wie britische und französische Siedler in einer imperialistischen Kolonialisierung unterschiedliche indigene Gruppen (First Nations, Métis, Inuit) auf dem Gebiet des heutigen Kanada vertrieben und ermordet haben, sowie versucht haben, ihre Geschichte, Existenz und Identitäten auszulöschen – oft mit dem Argument der Christianisierung. „Jac Nobiss machte auch deutlich, wie bis heute Menschen der indigenen Gruppen diskriminiert werden und Gewalt erfahren und wie bis heute in der Sozialen Arbeit der Verlust des sozialen Zusammenhalts und von Zugehörigkeiten und Geschichte weiter wirkt“, erklärt Prof. Dr. Ute Karl. „Gleichzeitig zeigte sie auf, wie durch mühevolle und jahrelange Arbeit in Archiven, durch Lernprogramme und Vermittlung die eigene Spiritualität wieder gewonnen werden und dadurch auch Heilung stattfinden kann.“
„Die Soziale Arbeit der Zukunft kann nicht allein vom Menschen aus gedacht werden. Die Soziale Arbeit der Zukunft darf den Kerngedanken ihrer Arbeit, die Soziale Gerechtigkeit, nicht allein anthropozentrisch denken, sondern muss ihn erweitern: Soziale Gerechtigkeit muss um die Aspekte Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit erweitert werden. Nur dann kann Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession wirken“, sagte Rektorin Prof. Dr. Andrea Dietzsch. „Ich bin davon überzeugt, dass wir nur in der Begegnung voneinander lernen, unsere Horizonte erweitern, unsere Perspektive hinterfragen können. Und ich bin davon überzeugt, dass nur durch Begegnung Frieden und soziale Gerechtigkeit weltweit angestoßen werden könne.“



