Win-win für beide Seiten: Verlässliche Jobs in sozialen Einrichtungen während des ganzen Studiums

Studentin Lilly Müller, 20, arbeitet im neuen Programm EHplus. Dabei geht es um Kooperationen zwischen unserer Hochschule und sozialen Einrichtungen in der Region. Studierende haben während ihres Studiums einen sicheren Arbeitsplatz, können ihr Wissen praktisch anwenden und die Erfahrungen wieder mit an die Hochschule bringen. Die Einrichtungen gewinnen eine Fachkraft, die praxisnah ausgebildet wird und auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand der Forschung ist. Lilly Müller erzählt von ihren Erfahrungen im ersten Jahr.

Anne-Mareike Steidl, Akademische Mitarbeiterin und verantwortlich für Qualitätsmanagement und Evaluation, koordiniert das Projekt. Lilly Müller kommt aus Lörrach an der Schweizer Grenze, studiert Diakoniewissenschaft im zweiten Semester und arbeitet beim Kreisdiakonieverband Ludwigsburg.

„Schon vor Studienbeginn bewarb ich mich für dieses Programm. Ich bekomme kein BaföG und brauchte das Geld dringend. Jetzt arbeite ich zwölf Stunden pro Woche und verdiene brutto etwa 900 Euro im Monat. Es ist perfekt. Ich habe feste Arbeitszeiten mittwochs und donnerstags, und wenn Vorlesungen dazwischenkommen, kann ich flexibel switchen. Ich freu mich, dass mein Arbeitgeber das ermöglicht. Und die finanzielle Sicherheit durch das ganze Studium hindurch beruhigt mich sehr.

Ebenso wichtig ist für mich, dass ich einen interessanten Arbeitsplatz habe. Mein Arbeitgeber ist der Kreisdiakonieverband, ich sitze bei der Telefonberatung „Energienothilfe“. Es rufen Leute an, die ihre Stromnachzahlungen nicht mehr begleichen können. Ihnen wird gedroht, dass Strom und Heizung abgestellt werden, weil sie ihre Abschläge bezahlt haben, aber nicht die Nachzahlungen, dann können wir helfen.  

Anfangs saß ich nur dabei, inzwischen mache ich das ganz alleine, bekomme aber Hilfe von meiner Vorgesetzten Carola Benker, wenn ich sie brauche. Es ist manchmal schwer auszuhalten, wie verzweifelt die Menschen sind. Zugleich lerne ich unfassbar viel. Mir war nicht klar, wie hart Menschen in Deutschland von Armut betroffen sind. Natürlich geht es in unseren Vorlesungen darum, aber es hautnah in der Realität zu erleben, ist was ganz anderes. Da ist zum Beispiel eine Familie, die kaum Geld hat, weil der Vater einen Arbeitsunfall hatte und nur noch Arbeitslosengeld erhält. Und die Mutter nur in Teilzeit arbeiten kann, sie kümmert sich ja auch um die drei Kinder. Wir haben alte Menschen, deren Rente knapp ist. Alleinerziehende Mütter. Im Studium geht es viel um Jura, das kommt mir zugute. Ich kann das Wissen eins zu eins in der Praxis einsetzen.“ 

Soziale Einrichtungen, Verbände und Institutionen, die Arbeitsplätze an Studierende vergeben möchten oder Studierende, die Interesse haben an einem Job, können sich melden bei a.steidl@eh-ludwigsburg.de. Gut wäre Flexibilität, was den Ort angeht. Es gibt nicht nur Plätze in Ludwigsburg, sondern auch beispielsweise in Stuttgart, Heilbronn, Weinsberg, im Rems-Murr-Kreis.