41 Studierende reisen nach Brüssel – Europa ist wichtig

Viele für die Soziale Arbeit relevante Themen haben eine europäische Dimension. Das spiegelt sich in den Profilen der Non-Governmental-Organizations, kurz NGOs, wieder, Organisationen, die transnationale politische und gesellschaftliche, aber auch soziale und ökonomische Ziele vertreten. Sie sitzen in Brüssel.

„Für uns war die Reise eine Offenbarung“, sagt Student Martin Stirn, der mit 40 Komiliton*innen NGOs besuchte

Studentinnen und Studenten der EH Ludwigsburg reisen regelmäßig nach Brüssel. Jetzt erlebten 41 Studierende der Studiengänge Soziale Arbeit und Internationale Soziale Arbeit mit Prof. Bettina Heinrich und Prof. Dr. Rolf Ahlrichs Lobbyarbeit in sozial- und gesellschaftspolitischen Bereichen. Es ist die Arbeit der NGOs, die sich auch in deutscher Gesetzgebung wiederfindet. „Wir hätten kein Arbeitsgleichbehandlungsgesetz, AGG, wenn es nicht die Advocacy-Arbeit der NGOs gegeben hätte. Das war eine EU-Richtlinie, die von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden musste“, sagt Prof. Heinrich. Das AGG wird umgangssprachlich Antidiskriminierungsgesetz genannt. Ziel des Gesetzes ist, wie es das Deutsche Institut für Menschenrechte formuliert, rassistische Benachteiligungen oder Benachteiligungen wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltschanschaung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. 

Wie sozial ist Europa wirklich? Die Studierenden und ihre Profs besuchten unter anderen diese NGOs: European Women's Lobby (EWL), da geht es um das weite Feld der Gendergerechtigkeit, das European Network Against Racism (ENAR), das European Network against Powerty (ENAP) und die International Cooperation on Undocumented Migrants (PICUM), eine Plattform, die sich für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte für Migrant:innen ohne Papiere einsetzt und EURODIACONIA, ein europäisches Netzwerk von Kirchen und christlichen NGOs, die soziale und gesundheitliche Dienstleistungen erbringen.

Diese NGOs haben sich im Dachverband Social Platform zusammengeschlossen, um ihre politischen Stimmen zu bündeln, zu kooperieren, Netzwerke zu bilden und Verbündete zu suchen. Es geht um "Working with allies" und die Bedeutung von gemeinsamem Policy Making, also um die Gestaltung von Politik. Vor dem Hintergrund des Rechtsrucks auch auf EU-politischer Ebene wird dies immer wichtiger, denn „human and social rights“ werden zunehmend in Frage gestellt, Kürzungen der Budgets und damit Stellenabbau sind die Folge. Die Studierenden erfuhren in Gesprächen, dass trotzdem keine NGO beim Anklagen stehen geblieben ist; alle arbeiten im Sinne ihrer Profile und Ziele weiter.

„Für uns Teilnehmende war die Reise eine Offenbarung“, sagt Student Martin Stirn. „Uns ist erst hier richtig klar geworden, wie viele Entscheidungen, die Deutschland und unsere künftige Arbeit betreffen, schon auf europäischer Ebene getroffen werden.“ Wer in der Sozialen Arbeit Veränderungen bewirken wolle, müsse europäisch denken und handeln. „Es ist wichtiger denn je, sich für die Rechte sozial benachteiligter Menschen einzusetzen.“