Multiprofessionelle Teamarbeit in der Kirche – überregionale Studie abgeschlossen

Multiprofessionelle Teamarbeit gilt in vielen Bereichen in der Berufswelt als zukunftsweisende Idee, vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, beispielsweise in Krankenhäusern und in der Schulsozialarbeit. Aber auch in Kirchen und ihren Gemeinden. Und sie wird bereits seit Jahren erprobt mit dem gemeinsamen Ziel, komplexe Aufgaben besser und auch mit weniger Fachpersonal zu meistern. Nun hat Prof. Dr. Claudia Schulz von der EH Ludwigsburg sie mit ihrem Team untersucht. Die Studie ist abgeschlossen, das Buch online verfügbar.

Darum geht es: Pfarrer*innen arbeiten zusammen mit Diakon*inen, Kirchenmusiker*innen und Verwaltungsfachleuten. Gemeinsam suchen sie nach Wegen, die gemeinsamen Ziele mit ihren verschiedenen Fähigkeiten auch gemeinsam zu erreichen – und nicht jeder und jede für sich. Das kann die Arbeit in der Kirche attraktiver machen, denn viele sehnen sich nach mehr Teamwork und Austausch. Alle haben ihre Logiken. Und nicht eine Berufsgruppe, etwa die Pfarrerin, ist federführend vorne dran, wie die Ärztin in der Klinik und der Lehrer in der Schule, sondern die gemeinsame Entwicklung der Arbeit steht im Zentrum.

Solche Kooperationen gibt es schon. Prof. Dr. Claudia Schulz hat sie zwei Jahre untersucht. Im Kontakt mit über 30 Gemeinden in Westfalen, Kurhessen und Anhalt hat sie die Arbeit vor Ort beobachtet, mit vielen Fachkräften und Verantwortlichen gesprochen und die Beobachtungen ausgewertet. Finanziert hat die Studie das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland und die drei evangelischen Landeskirchen.

Die Studie zeigt: „Multiprofessionelle Zusammenarbeit kann viel verändern. Allerdings ist das abhängig davon, wie offen die Beteiligten sind, was sie sich wünschen und umsetzen möchten“, erklärt Prof. Dr. Schulz. Wenn nur dann solche Teams gebildet werden, wenn nicht genügend Pfarrpersonen bezahlt werden können, dann hilft es nicht. Es geht um mehr: um Innovationen, eine bessere Kommunikation und Zusammenarbeit. Die Folge ist sonst, dass Fachkräfte zu Hilfskräften werden und alle möglichen Arbeiten übernehmen, für die keine Pfarrerin mehr verfügbar ist. Das führt zu Hierarchien innerhalb der Teams und verhindert, dass die Potenziale von allen genutzt werden können. Umgekehrt kann die Teamarbeit verschiedener Fachkräfte ein Innovationsmotor sein: Wenn sich Menschen mit ihren Kompetenzen neu über die Zusammenarbeit verständigen, werden Abläufe oder Ziele wieder neu betrachtet. Die vielen Kompetenzen im Team stärken die Arbeit und häufig sind Fachkräfte zufriedener in ihrem Beruf, wenn es mehr Gespräche und Zusammenarbeit gibt. „Es kann der große Motivationsmotor sein“, erklärt Prof. Dr. Claudia Schulz, denn es gehe eben nicht nur darum, zu überlegen, wer kann die Arbeit vom Pfarrer machen, wenn er nicht mehr da ist. Sondern sich gegenseitig für die jeweiligen Kompetenzen und Talente zu interessieren, zusammen am Tisch zu sitzen und neue Ideen zu entwickeln. „Viele wünschen sich das!“

In einer Typologie zeigt die Studie verschiedene Ausprägungen von Teamarbeit und deren Stärken und Schwächen. Sie beleuchtet weiterführende Themen wie Teamprozesse, Konflikte und ihre Bearbeitung, die wichtige Rolle des Ehrenamts, Leitungs- oder Machtfragen sowie die Potenziale der Teamarbeit für eine strukturelle Weiterentwicklung der Kirche. Prof. Dr. Claudia Schulz erhält viel Feedback, „zahlreiche Kirchengemeinden möchten die eigenen Prozesse reflektieren und von denen, die es schon machen, lernen.“ 

Das Buch mit dem Titel „Multiprofessionelle Teamarbeit in der Kirche. Kooperation zwischen funktionaler Differenzierung und gemeinsamer Verantwortung“ ist kostenlos im Netz verfügbar: https://www.nomos-elibrary.de/de/document/view/pdf/uuid/056c0d7c-71f6-3831-825f-3bd331b860f7?page=1