Spielräume der Partizipation in Pflegekonstellationen – Perspektiven von Pflegekräften in der häuslichen Betreuung (sog. 24/7-Pflege oder Live-In-Care), von pflegebedürftigen älteren Menschen und ihren An- und Zugehörigen
Bisherige Forschungen haben sich vielfach mit den herausfordernden Lebenssituationen von Pflegekräften beschäftigt, insbesondere aus Ost-Europa sowie mit den Perspektiven der An- und Zugehörigen auf Gelingensfaktoren in Pflegekonstellationen. Die Perspektive der Pflegebedürftigen, in deren Haushalt eine Pflegekraft lebt, war bisher seltener im Blick. Kaum im Blick waren bisher zudem die verschiedenen Perspektiven in ein und derselben Pflegekonstellation. In Pflegearrangements geht es vielfach darum, dass die älteren Menschen in der häuslichen Umgebung leben können und gleichzeitig noch – soweit dies gewünscht ist – am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Während die Selbstbestimmung älterer Menschen gesetzlich in der Pflegeversicherung zentral ist (§ 2 SGB XI), gibt es keine solche Regelung für zugewanderte Pflegekräfte in Privathaushalten und auch nicht für die Angehörigen. Teilhabemöglichkeiten von Pflegekräften sind in der Praxis kaum eine Frage, die von An- und Zugehörigen meist nur, wenn sie ohne zusätzliche Pflegekraft die Hauptpflege übernehmen (z.B. im Sinne der Entlastung, um sich zu vernetzen oder eigene Kontakte zu pflegen).
Sie haben Interesse, Ihre Perspektive zu teilen, weil Sie als zugewanderte Haushaltshilfe/Pflegekraft im Haushalt einer pflegebedürftigen Person leben oder Sie leben als pflegebedürftige Person mit einer Haushaltshilfe zusammen? Sie sind als An- und Zugehörige in diesem Pflegesetting beteiligt? Dann melden Sie sich gerne unter:
E-Mail:u.karl(at)eh-ludwigsburg.de
Telefon: 07141 9745-233
Thematik, Fragestellung und Methoden
Forschungsfrage: Vor diesem Hintergrund geht die Studie der Frage nach, welche Spielräume der sozialen Partizipation und Lebensgestaltung sowohl die Pflegekräfte aus dem Ausland als auch die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen in den jeweiligen Situationen haben. Wenn möglich, sollen zudem mehrere Perspektiven in ein und derselben Pflegesituation hinsichtlich der Frage der Partizipation und Lebensgestaltung aufeinander bezogen werden, um so zu verstehen, wie diese in ein und derselben Pflegekonstellation miteinander zusammenhängen.
Fokus: Die Frage nach den Möglichkeiten der Sozialen Partizipation und Teilhabe meint dabei zum Beispiel, inwiefern bei der Gestaltung der Tages- und Wochenstrukturen individuelle Bedürfnisse der im Haushalt lebenden migrantischen Pflegekräfte (z.B. hinsichtlich von Ruhephasen, Freizeitgestaltung, Bewegung, kultureller oder religiöser Teilhabe, Vernetzung mit anderen Pflegekräften, Pflege sozialer und familialer Kontakte), der Pflegebedürftigen (z.B. hinsichtlich eines selbstbestimmten Tagesablauf oder des Einbringens von Essenswünschen sowie der Teilhabe an kulturellen und gemeinschaftsbezogenen Angeboten wie Besuche von Veranstaltungen oder Gesprächskreisen) sowie der An- und Zugehörigen (z.B. Ruhephasen, Freiräume zur Freizeitgestaltung, Teilnahme an Gruppen für Angehörige etc.) berücksichtigt werden. Es geht also um beides: Mitsprache und Mitbestimmung in der Gestaltung der häuslichen Pflegearrangements und Teilhabe und Gestaltung eines Lebens, das die jeweiligen Personen aus guten Gründen wertschätzen können.
Ziel: Mit dem Fokus auf Partizipation hat diese Forschung das Ziel, förderliche und hinderliche Rahmenbedingungen für Partizipation und Teilhabe in Konstellationen häuslicher Pflege zu identifizieren und diese in wissenschaftliche und öffentliche Debatten einzubringen.
Methodisches Vorgehen: Narrative, leitfadengestützte Interviews in Deutsch und Englisch (ggf. Französisch oder Spanisch). Die Transkripte werden mit dem rekonstruktiven Verfahren der dokumentarischen Methode (Bohnsack) ausgewertet.
Laufzeit
Dezember 2025Projektbearbeitung

Prof. Dr.
Ute Karl
Professorin für kulturelle, internationale und politische Dimensionen Sozialer Arbeit
