Partizipation / Teilhabe als Thema der wohnortnahen Senioren- und Pflegeberatung
Partizipation und Pflegebedürftigkeit
Die Verwirklichung von Partizipation kann für gebrechliche alte Menschen voraussetzungsvoller werden. Professionelle Hilfesysteme wirken hier einerseits unterstützend, schränken durch enge Regelungen und betriebswirtschaftliche Zwänge Mitbestimmung aber auch ein. Um zu klären, wie angesichts dieser Ambivalenz Partizipationschancen realisiert werden können, wurden fünf Expert*inneninterviews mit Mitarbeiter*innen von Pflegestützpunkten geführt und inhaltsanalytisch ausgewertet.
Thematik, Fragestellung und Methoden
Verwirklichung von Partizipation bei manifester Pflegebedürftigkeit
Fragestellung: Welche strukturellen Faktoren fördern oder limitieren Partizipation von pflegebedürftigen Menschen? Wie wirken sich z.B. leistungsrechtliche Vorgaben auf Teilhabechancen aus? Welche gesamtgesellschaftlichen Phänomene (z.B. der Pflegenotstand) nehmen Einfluss?
Welche regionalen Ermöglichungsstrukturen für Partizipation lassen sich eruieren? Welche Unterstützung bieten Pflegedienste, Betreuungsdienste oder ehrenamtliche Strukturen bei der Gestaltung und Wahrnehmung von Angeboten?
Welchen Einfluss nehmen alte und pflegebedürftige Menschen auf die Gestaltung ihrer Lebensverhältnisse, soweit diese von Pflegebedürftigkeit affiziert sind? Haben sie Wahlmöglichkeiten bzgl. der Hilfsangebote? Welche Faktoren der individuellen Lebenslage fördern oder hemmen eine aktive Mitgestaltung?
Methode: Leitfadengestützte Expert*inneninterviews und inhaltsanalytische Auswertung
Laufzeit
April 2022 bis September 2022Ergebnisse
Ergebnisse zu Partizipationshemmnissen wurden ermittelt und in drei Hauptkategorien zusammengefasst. „Verknappung“ beschneidet Partizipationschancen durch die strukturelle Begrenzung des Zugangs zu Angeboten. Dies geschieht, indem einmal die Inanspruchnahme erschwert und zweitens die Zahl an Unterstützer*innen klein gehalten wird. „Knappheit“ beschreibt die lokale Begrenzung des Volumens an verfügbaren Angeboten, z.B. durch Ein- und Ausschlussstrategien der Anbieter*innen.
Der so entstehende Mangel an Angeboten schränkt Wahlmöglichkeiten ein und knüpft ihre Verfügbarkeit zudem an Faktoren der Lebenslage. Wohnort, Milieuzugehörigkeit, finanzielle Ressourcen oder Gebrechlichkeit entscheiden darüber, wer partizipieren kann und wer nicht. Folglich prägt „Ungleichheit“ die Chancen auf der Ebene der Person.
Publiziert in Soziale Arbeit 2023, 71(5)
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