Wissen gegen Vorurteile und Diskriminierung

Aktionstag „HIV-bewegt!“ an Evangelischer Hochschule und in der Innenstadt Ludwigsburg

Bei einem gemeinsamen Spaziergang über die Königsallee und Bärenwiese zum Infostand in der Fußgängerzone tauschten sich Studierende der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg mit dem Team des Gesundheitsdezernates aus. Die Idee dazu stammt von Philippé Matern, selbst HIV-positiv. © Landratsamt

Im Kampf gegen das HI-Virus verfolgen die Vereinten Nationen einen ehrgeizigen Plan: Gemäß der „90-90-90-Ziele“ sollen bis zum
01.01.2020 90% der HIV-Infizierten ihren Status kennen, 90% davon Zugang zur Behandlung haben, und bei 90% der Behandelten
soll das Virus nicht mehr nachweisbar sein.

In Deutschland setzen sich das Bundesministerium für Gesundheit, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche AIDS-Hilfe und die Deutsche Aids-Stiftung mit einer gemeinsamen Kampagne für dieses gesellschaftsrelevante Thema ein. Verunsicherung, Angst und Vorurteile in der Bevölkerung führen immer noch dazu, dass Menschen aufgrund Ihrer HIV-Infektion ausgegrenzt werden. Immer noch wird hinter dem Rücken von Menschen mit HIV getuschelt, der Kontakt mit ihnen wird gemieden und in einigen Fällen ist sogar der Arbeitsplatz in Gefahr. Zurückweisung im Alltag oder die Angst davor ist für viele Menschen mit HIV ein Problem, das schwerer wiegt als gesundheitliche Folgen der Infektion.

Ein Aktionstag zu diesem Projekt der Vereinten Nationen fand nun an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg statt. Studierende aus dem Bereich Pflege und Religions- und Gemeindepädagogik hatten Gelegenheit, kreisspezifische Informationen zu erhalten. Die Leiterin Gesundheitsförderung/Kommunale Gesundheitskonferenz im Landratsamt Ludwigsburg, Dr. Uschi Traub, ging dabei auch auf spezifische Situationen in medizinischen Berufen ein. Ebenso diskutierten Experten und Studierende über die sozialen Dimensionen einer Erkrankung.

Der HIV-positive Angestellte Philippé Matern berichtete über seine Wanderung von Stuttgart nach Berlin, mit der er auf die Diskriminierung von AIDS-Erkrankten hinweisen wollte. „Auch 2019 ist unterschwellig Angst und Scheu vor Kontakten da“. Bei einem gemeinsamen Spaziergang über die Königsallee und Bärenwiese zum Infostand in der Fußgängerzone tauschten sich Studierende der EH, unter anderem aus der EH-Gruppe „Bunt fürs Leben“, mit dem Team des Gesundheitsdezernates aus. Antidiskriminierung und Diversity ist der Hochschule besonders wichtig. Ein hochschuleigenes Institut bietet seit Jahren Trainings und Weiterbildungsprogramme dazu an.

Gemeinsam informierten die Beteiligten rund um das Thema HIV, Aids und andere sexuell übertragbaren Krankheiten in der Fußgängerzone. Mitmachangebote schufen weitere Aufmerksamkeit für 90- 90-90. Deutschland hat dabei aktuell die Werte 87-92-95 erreicht. Eine der Botschaften am Infostand war daher: „Lasst Euch testen!“

Fragen zur Veranstaltung beantworten beim Gesundheitsdezernat
des Landratsamts Dr. Uschi Traub, Tel.: 07141 144-41332.
E-Mail: gesundheitsfoerderung@landkreis-ludwigsburg.de.

Fragen zur Hochschule Ulrike Faulhaber M.A., Tel. 07141 9745-209
E-Mail: u.faulhaber@eh-ludwigsburg.de

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Daten & Fakten zu HIV/Aids in Deutschland (2017)

  • In Deutschland leben heute rund 86.100 Menschen mit HIV – so viele Menschen wie noch nie!
  • Geschätzte 11.400 wissen nichts von ihrer Infektion 
  • Im Schnitt drei Jahre von der Infektion bis zur Diagnose, dies ist zu lang
  • 68.800 Personen wurden 2017 antiretroviral behandelt, davon 95% erfolgreich
  • 2.700 geschätzte Zahl der HIV‐Neuinfektionen 2017 (etwas weniger wie im Vorjahr)
  • Ca. 510 neu diagnostizierte Aids‐Fälle 2017
  • 450 Aids‐Todesfälle 2017
  • Etwa 30.000 Menschen sind bisher in Deutschland an den Folgen von Aids gestorben.
  • Anzahl der geschätzten HIV‐Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) ging von etwa 2.300 Neuinfektionen im Jahr 2013 auf 1.700 Neuinfektionen im Jahr 2017 zurück.
  • Bei Personen mit intravenösem Drogenkonsum sowie Personen, die sich in Deutschland auf heterosexuellem Weg infiziert haben, ist die Anzahl der HIV‐Neuinfektionen seit 2012 angestiegen.

Daten & Fakten zu HIV/Aids in Baden‐Württemberg (2017)

  • 10.300 Menschen mit HIV/Aids
  • Davon 1.000 ohne Diagnose
  • 8.700 unter antiretroviraler Therapie
  • 250 ‐ geschätzte Zahl der HIV‐Neuinfektionen
  • 45 Todesfälle
  • Seit Beginn der Epidemie 2.800 Todesfälle

Quellen: UNAIDS; Robert Koch Institut