Erste Hilfe für die Seele

Studiennachmittag Notfallseelsorge mit großer Resonanz

„Können Sie noch etwas sagen?“: Die Sanitäter treten zwei Schritte zurück. In ihrer Mitte liegt – inzwischen unter einer Decke – das Mädchen, das bei einem Verkehrsunfall soeben ums Leben kam. Die Notfallseelsorgerin hält den Kopf der Verstorbenen: „Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand – und wir bleiben hier zurück und fragen uns, warum“.

Mit dieser Szene aus dem Film „Im Zweifel“ leitete Landespolizeipfarrer Ulrich Enders sein Grundsatzreferat im voll besetzten Foyer der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg ein. Der Studiengang Religions- und Gemeindepädagogik hatte zum jährlichen Studiennachmittag eingeladen, dieses Jahr zum Thema „Notfallseelsorge“. Die Resonanz war groß: 170 Studierende und weitere Interessenten erlebten vier intensive Stunden mit Expertinnen und Experten der Psychosozialen
Notfallversorgung.

Nach der Einführung durch Prof. Dr. Wolfgang Ilg und dem Grundsatzreferat des Landespolizeipfarrers standen sieben Workshops auf dem Programm. Hier ging es um den Umgang mit Krisen und Notfällen an der Schule, um das Krisenmanagement bei Freizeiten, praktische Erfahrungen aus Einsätzen oder die Einsatzkräftenachbetreuung. Weitere Workshops befassten sich mit dem Überbringen von Todesnachrichten, der Kooperation von Notfallseelsorge und Polizei
sowie mit der – in Ludwigsburg vorbildlich ausgebauten – muslimischen Notfallseelsorge.

Pfarrer Ulrich Gratz, Gesamtleiter der Psychosozialen Notfallversorgung im Landkreis Ludwigsburg, zeigte sich beeindruckt von der dichten Atmosphäre des Tages: „Mich haben schon mehrere Studierende direkt angesprochen, die sich überlegen, ehrenamtlich in die Notfallseelsorge einzusteigen“ verwies er auf einen sehr konkreten Effekt der Veranstaltung. Auch in ihrer späteren hauptamtlichen Tätigkeit können die Studierenden auf das Arbeitsfeld der Notfallseelsorge treffen.

Was Notfallseelsorger in ihren Einsätzen erleben, lässt diese selbst nicht kalt, dies wurde in vielen Erfahrungsberichten deutlich. Von einem besonderen Einsatz berichtete Professor Ilg, selbst ehrenamtlich in der Notfallseelsorge tätig: Mit den Worten „Das Kind liegt im Sterben, kommen Sie, um die Eltern zu begleiten“, wurde er vor einiger Zeit in einen Einsatz gerufen. Als er eintraf, lebte der zweijährige Junge noch und wurde gerade in einem Rettungshubschrauber transportfertig gemacht. Was keiner zu hoffen gewagt hatte, geschah: Durch den beherzten Einsatz von Feuerwehr, Notärztin und den Spezialisten im Krankenhaus konnte das Kind gerettet werden. „Einige Wochen später standen die Eltern mit ihrem Zweijährigen auf dem Dreirad vor meiner Tür“, berichtete Ilg sichtlich bewegt: „Die Eltern hatten Dankeskarten für alle Beteiligten erstellt – die Karte hängt noch heute über meinem Schreibtisch“.