Demokratiebildung in der Jugendarbeit

Die Forderung nach Demokratiebildung ist im Kontext aktueller gesellschaftspolitischer Entwicklungen in aller Munde. Ein Forschungsteam der EH Ludwigsburg unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Ahlrichs untersucht, wie junge Menschen die demokratische Partizipation in der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit erleben und welche Entwicklungspotenziale sich daraus ergeben. Gefördert wird das Forschungsprojekt aus Mitteln der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Kooperationspartner ist das Evangelische Jugendwerk in Württemberg.  

Thematik, Fragestellung und Methoden

Seit einigen Jahren wird intensiv über eine Vertrauenskrise der liberalen Demokratie und eine Zunahme antidemokratischer, populistischer Kräfte diskutiert. Vor diesem Hintergrund wird verschiedentlich die Bedeutung einer erfahrungsbasierten Demokratiebildung betont, die nicht nur abstraktes Wissen über ein politisches System, sondern auch demokratische Werte und die Fähigkeit zu Diskurs und Kompromiss vermittelt.  

Der Kinder- und Jugendarbeit wird in diesem Zusammenhang das Potenzial zugesprochen, ein Ort zu sein, an dem Kinder und Jugendliche demokratische Verhaltensweisen einüben, Entscheidungsprozesse erleben und Verantwortung übernehmen können. Voraussetzung ist, dass junge Menschen demokratische Strukturen und Verfahren einerseits vorfinden, sie andererseits gemeinsam erleben, reflektieren und weiterentwickeln. Allerdings liegen kaum Studien vor, die Auskunft über die konkrete Praxis der Demokratiebildung in der Jugendverbandsarbeit geben. Bislang ist davon auszugehen, dass Jugendverbänden ihr Potenzial zur Demokratiebildung kaum bewusst ist (vgl. Riekmann 2011; Ahlrichs 2019).

Ziel der empirischen Untersuchung ist es, die demokratischen Erfahrungen junger Menschen im Jugendverband zu erheben und mit ihnen über Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu diskutieren. Die Studie zielt damit auf die Rekonstruktion und Reflexion der Praxis der Demokratiebildung in Jugendverbänden und ihr Entwicklungspotenzial als Orte gelebter Demokratie im Kontext gesellschaftlicher und institutioneller Veränderungsprozesse.

Methodologisch wird auf die Handlungspausenforschung (Richter et al. 2003, Ahlrichs 2019) zurückgegriffen. Indem die Befragten soweit wie möglich in den Forschungsprozess einbezogen werden und mit ihnen über Demokratieverständnisse und -erfahrungen diskutiert wird, kann der Forschungsprozess selbst zu einem Prozess demokratischer Bildung werden. Zur Datenerhebung werden Gruppendiskussionen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen geführt, die sich in den Strukturen und Projekten des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg sowie kontrastierend in zwei weiteren Jugendverbänden in Baden-Württemberg engagieren.

 

Ahlrichs, Rolf (2019): Demokratiebildung im Jugendverband. Grundlagen - empirische Befunde - Entwicklungsperspektiven. Weinheim.

Richter, Helmut; Coelen, T.; Mohr, E. & Peters, L. (2003): Handlungspausenforschung – Sozialforschung als Bildungsprozess. Aus der Not der Reflexivität eine Tugend machen. In H.-U. Otto (Hrsg.): Empirische Forschung und Soziale Arbeit. Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Neuwied. S. 45–63.

Riekmann, Wibke (2011): Demokratie und Verein. Potenziale demokratischer Bildung in der Jugendarbeit. Wiesbaden.

Laufzeit

01.12.2020  -  30.11.2021

Auftraggeber/Förderer

Evangelische Landeskirche in Württemberg

Projektbearbeitung


Prof. Dr. Rolf Ahlrichs

Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit und Diakonie
Schwerpunkt Jugend- und Erwachsenenbildung

Standort
Ludwigsburg
Gebäude
D
Raum
2.19
Telefon
(07141) 9745-371

Evangelisches Jugendwerk in Württemberg