Brücken zum interreligiösen Dialog in Amman (BIDA)
Ausschreibung Amman Projekt 2010
Aus dem Osten kommt das Licht- um das zu erleben, kann man bei einem Studienprojekt in den Semesterferien zwischen SS und WS in die Welt des Orients eintauchen. Geeignet ist das Projekt von Studierende der Religions- und Sozialpädagogik der im BIDA Projekt zusámmen arbeiten ev. Hochschulen. Interesse geweckt? Dann gerne weiterlesen....
Intention des Projektes:
Kann man Gewalt verhindern? Der Amoklauf von Winnenden für den Türen der EH Ludwigsburg und die tägliche Gewalt in Nahost zeigen, dass es auch heute mutig und schwer ist, wort- und tatkräftig für Frieden und Gerechtigkeit zu kämpfen. Studierende sind von jeher der Gradmesser der Friedens- und Reformfähigkeit einer Gesellschaft. Deshalb befähigen Fachhochschulen in evangelischer Trägerschaft ihre Studierenden der Religions-und Sozialpädagogik dazu, kritische Gesellschaftsanalyse mit konstruktiver Gesellschaftsgestaltung zu verbinden. Bindeglied ist der christliche Glaube reformatorischen Ursprungs, der zu einer Diversitykompetenz befähigt. Diese zeigt sich u.a. als Dialogkompetenz, um insbesondere Differenzen in kulturellen oder religiösen Konflikten professionell analysieren und bearbeiten zu können. Für derartige Lehr- und Lernprozesse bedarf es originaler Bewährungsfelder mit originalen Begegnungen, um z.B. in multikulturellen Arbeitsfeldern religiöse Intentionen von kulturellen Ausprägungen der Religion unterscheiden zu können.
Das Studienprojekt evangelischer Fachhochschulen im Nahen Osten versteht sich als Brückenprojekt zwischen Deutschland und Nahost. Der Name BIDA – Brücken zum interkulturellen und interreligiösen Dialog in Amman – ist Programm: Er steht für Innovation, Komplexität und Diversität, denn BIDA verbindet wissenschaftliche Auseinandersetzung mit originalen Begegnungen in einem islamischen Ursprungsland, das die Auseinandersetzung zwischen westlichen und orientalischen Prägungen sucht ( u.a. ist Jordanien maßgeblich beteiligt am global marshall plan). Je nach Thema und Intention wird diese Projekt auch auf andere Länder in Nahost ausgedehnt. So wurde BIDA 1 um eine Exkursion mit Studienanteilen nach Israel ergänzt, um von der anderen Jordanseite aus aus jüdischer Perspektive einen Blick auf das Pulverfaß Nahost zu werfen. BIDA 2 erweiterte das jordanische Studienprojekt um die Möglichkeit einer freiwilligen Teilnahme an einem Workcamp im Libanon im Anschluss.
BIDA im Kontext des Bologna und Madridprozesses ev. Hochschulen
BIDA ist keine Studienreise, sondern ein in das Bolognakonzept integrierte modularisierte Studienkonzept ev. Hochschulen, das sich dem Internationalisierungsanspruch an ein global vernetztes EFH Studium stellt. Sein Profil entspricht dem besonderen Merkmal von FH´s, wissenschaftlich fundiertes Sachwissen mit Praxiserfahrung sowie Forschung und Evaluation von Theorie- Praxiszusammenhängen zu verbinden. Für ein Modul, das an der eigenen Hochschule im Bereich des interreligiösen/kulturellen Lernens mit 6 CP verrechenbar ist, studieren jeweils 40 Studierende aus fünf EFH`s im September 2007-2011 in Amman. Sie werden dazu an den eigenen Hochschulen und auf einem gemeinsamen Vor- und Nachbereitungswochenende vorbereitet. Die beteiligten Hochschulen Ludwigsburg, Berlin, Moritzburg, Hannover und Nürnberg haben sich mittels eines Kooperationsvertrages verpflichtet, das Projekt für zunächst 5 Jahre gemeinsam zu verantworten, was eine enge Zusammenarbeit der Amman- Kollegen bedingt. Im Wechsel übernimmt je eine Hochschule die BIDA-Federführung für ein Jahr incl. Projektbegleitung nach Amman. Die veranstaltende Hochschule stellt 20 Studienplätze zur Verfügung, die beteiligten FH´s je 5 Plätze.
Das Studienprofil des BIDA- Projektes
Die veranstaltende Hochschule legt das Thema des BIDA Projektes fest, um exemplarisch an einem Thema die Möglichkeiten und Grenzen von interreligiösen /kulturellen oder /nationalen Diskursen zu bearbeiten. Bereist vor dem Ammanaufenthalt werden die Studierenden in die Programmgestaltung eingebunden, indem sie sich durch Referate, Präsentationen usw auf einen Aspekt des Themas vorbereiten und diesen in Amman präsentieren. BIDA 1 suchte in Auseinandersetzung mit der biblisch- koranischen Abrahamgestalt nach exemplarischen Aspekten interreligiösen Lernens im Kontext von Gewaltprävention. BIDA 2 hatte mit dem Thema „Kultur des Aufwachsens im Vergleich Jordanien/Libanon- Deutschland“ einen Schwerpunkt auf Möglichkeiten zur Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen in Abhängigkeit zu ihren je spezifischen Lebenswelten gelegt. Immer wird die Palästinenserfrage und die damit zusammenhängende Problematik der Bedeutung von Heimat, Identität, Kultur- Staats- oder Religionsbildung zum zentralen Thema von BIDA, die den Blick für Herkunfts- oder Heimatlose bzw. Flüchtlingsexistenz in Deutschland schärft. Dass Jordanien ein Land ist, dass starke wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland aufgebaut hat und sucht ( z.B. die Arbeit der GTZ bei Wasserprojekten in Jordanien), vorrangig in Bildung investiert (was zur Folge hat, dass viele Menschen gut deutsch und englisch sprechen) und politisch gewollte Dialoge der Kulturen und Religionen zur Friedenssicherung im Lande fördert, kommt der Intention des Projektes sehr zugute. Christliche Einrichtungen in Jordanien sind nicht im „schlechten Sinne von Mission“ ausgerichtet auf christlichen Tourismus oder christliche Kolonisierung, sondern vom christlich gelebten Zeugnis der Nächstenliebe her geprägt. Sie gestalten soziale Arbeit mit Menschen mit Assistenzbedarf auf der Basis der Akzeptanz der Unvollkommenheit jedes einzelnen Menschen und der gleichzeitigen Sehnsucht nach Erlösung, die sich in sozialem Handeln konkretisiert. Dabei bildet gerade angesichts der auch in Jordanien sichtbaren Differenz von Armen und Reichen ( vor allem im Zuge der vielen „finanzkräftigen, aber fundamentalistisch geprägten“ Irakflüchtlinge, die das zu über 75% selbst aus Flüchtlingen bestehende Jordanien aufgenommen hat und aufnimmt) die Frage nach der Rolle des Kapitals für den Prozess der Gestaltung einer menschenwürdigen und gerechten Gesellschaft und globalen Welt eine Herausforderung.
Die Studienorganisation von BIDA
In der Regel steht jeder Tag des Projektes unter einem Tagesthema, das in Vorlesungen und Gruppenarbeiten am Vormittag auf eine zum Thema passende Begegnung am Nachmittag vorbereitet und diese anschließend im Blick auf einem Zugewinn an interreligiöser/kultureller Kompetenz evaluiert sowie in einem Lerntagebuch und einer Publikation dokumentiert. Die zwei im Studienprojekt vorhandenen Wochenenden werden für Exkursionen ( eine der beiden Exkursionen führt stets gen Süden nach Petra, Wadi Rum, Wüstenerfahrungen usw.) genutzt, die Teil des Studienprogramms sind. Auch hier wird das Thema des Studienprojektes in unkonventioneller Weise ( z.B. Vorlesungen im Bus, Gruppenarbeiten nach der walk and talk Methode usw) und durch Begegnungen verfolgt.
Das friedenspädagogische Studienprogramm wird vor Ort in einer institutionell besiegelten Kooperation mit der Theodor Schneller Schule ( sie ist Studien- und Lebensort) sowie mit der Deutsch- Jordanischen Universität (GJU) durchgeführt. Jeweils 10-15 von der GJU ausgewählte Studierende nehmen an den Exkursionen und an Teilen des BIDA Studienprojektes teil und sind neben den Mitarbeitern der TSS ständige Gesprächspartner des Studienprogramms. Der pädagogische Leiter der TSS ist mit einem Lehrauftrag in das Studienprojekt eingebunden und gestaltet zusammen mit den Lehrern und Erziehern der TSS sowie den deutschen und jordanischen Studierenden und Dozierenden von BIDA am Ende des Projektes einen friedenspädagogischen Projekttag für die ca.300 Kinder und Jugendlichen der TSS, in dem die gewonnenen BIDA- Erkenntnisse in einem Praxisprojekt umgesetzt werden sollen. Ferner findet u.a. eine Zusammenarbeit mit der Konrad Adenauer Stiftung, der Welfare Assoziation, dem Gehörlosenzentrum SALT, dem Goethe Institut, dem royal institute for interfaith studies und der Islamischen Fakultät der Jordanischen Universität zu Themen des interreligiösen/kulturellen Diskurses statt.
BIDA wird von einem Forschungsprojekt begleitet, das über die ganzen 5 Jahre den Zugewinn an Lernprozessen durch den Auslandsaufenthalt erforscht. Ziel ist es vor allem, den Prozess der persönlichen Positionierung und möglicher Change Prozesse von Studierenden zu Möglichkeiten des friedlichen Zusammenlebens in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft zu erforschen. Die Ergebnisse des jeweiligen BIDA- Projektes werden von den Ammankollegen unter der Beteiligung von Kooperationspartnern und Studierenden in einer eigenen Publikationsreihe beim LIT Verlag veröffentlicht ( Reihentitel: BIDA. Bd. 1 zum Projekt 2007 bereits erschienen zum Thema: Abraham- Impulsgeber für Frieden in Nahost? ISBN ). Studierende an BIDA Projekten erstellen in der Regel eine Präsentation, ein Referat oder eine Hausarbeit zu einem Themenfeld des Studienprogramms, die vom Umfang und Anspruch her den Leistungsanforderungen an den FH´s entsprechen. Der Leistungsnachweis wird von den für das jeweilige Ammanprojekt zuständigen Dozierenden bewertet, das Ergebnis an die Heimat- Hochschule der Studierenden weitergegeben. Studirende erhalten ihren Schein dann vom Ammandozierenden ihrer Hochschuke
Der Studienort
Studien- und Lebensort für die drei BIDA Wochen ist die Schneller Schule in Amman. Im dortigen Gästehaus erfolgt die Unterbringung in Doppelzimmern, größtenteils mit eigener Dusche und WC. Das Gästehaus verfügt über Seminarräume, die für Vorlesungen und Seminare genutzt werden sowie über eine große Terrasse mit Blick auf Amman, bei dem abendlich beim Rauchen einer Schischa oder orientalischem Tee ( und anderem....) der Tag gut ausklingen kann. Auf dem Gelände der Schneller- Schule befindet sich eine Schule für 400 Jungen, ein Internat für 300 Jungen ( meist aus sozial benachteiligten oder von den Konflikten in Nahost gezeichneten Jungenbiografien) sowie Werkstätten zur Berufsausbildung z.B. für Mechaniker, Holzarbeiter oder Autoreparaturfachkräfte. Die Jungen des Internates werden von Erziehern betreut, die zum Teil auch in den schulischen Unterricht eingebunden werden. Die TSS verfügt über den ersten Hochseilgarten Jordaniens und ist bemüht, durch erlebnispädagogische Projekte friedenspädagogisch zu arbeiten. Vor den Toren der TSS liegt das Schneller- Camp, ein großes palästinensisches Flüchtlingslager. Die Studierenden von BIDA übernehmen während ihres Aufenthaltes Kontaktpatenschaften zu Internatsgruppen und lassen sich bei Freizeitaktivitäten, bei der Hausaufgabenbetreuung und durch ein eigens für die Schüler der TSS gestalteten friedenspädagogisches Projekt auf das Zusammenleben auf dem Gelände der TSS ein. Der Umfang der Integration des BIDA Projektes wird von der veranstaltenden Hochschule festgelegt, wobei deutlich zu betonen ist, dass BIDA nicht an der EH nicht in Praxismodulen ( kann auf Sonderantrag durchaus auch möglich sein), sondern in Modulen zum interkulturellen und interreligiösen Lernen verrechnet wird. An der EH Ludwigsburg kann das von Religions- wie Sozialpädagogen sowie Studierenden der Frühen Kindheit verbindlich zu belegende Modul zum Inter- Lernen ( Modul 17 ) alternativ in Ludwigsburg oder Amman studiert werden.
Was kostet BIDA?
Die Finanzierung des Projektes erfolgt über einen Selbstkostenbeitrag der Studierenden von ca.1000-1200 Euro, einen Zuschuss der jeweiligen Hochschule von 100 Euro pro Studierende/r und Sponsorengelder. Ziel ist es, die Studierenden auch bei der Beantragung von Fördergeldern oder durch Sponsoring- Veranstaltungen an den eigenen Hochschulen so in das Projekt einzubinden, dass die Höhe der Zuschüsse auch von der studentischen Eigeninitiative für das Projekt abhängt. BIDA 1 konnte dadurch ca. 600 Euro Zuschuss pro Studierende/r u.a. durch Informationsveranstaltungen der Studierenden und Dozierenden in Kirchengemeinden, bei staatlichen oder diakonischen Einrichtungen, bei Stiftungen usw. ( bei denen sie das Honorar oder die Kollekte ins Projekt einfließen lassen konnten) ins Projekt einbringen, sodass alle Studierenden mit dem Eigenbeitrag von 1000 Euro alle Kosten incl. der Exkursionen gen Südjordanien und Israel gedeckt hatten. Das Studienprojekt wird in besonderer Weise vom EED gesponsert.
Interesse geweckt?
Anmeldung für BIDA jeweils von Nov.-Januar an der eigenen Hochschule mit Kopie an die veranstaltende Hochschule ( 2009: Nürnberg, 2010 Moritzburg, 2011 Hannover). Anmelden können sich alle BA und Masterstudierenden der an der Kooperation beteiligten Hochschulen. Falls noch Plätze frei sind, können auch Studierende anderer Hochschulen am BIDA Projekt teilnehmen, sofern sie sich auf das Studienprojekt einlassen.
Nähere Informationen zu BIDA über die studentischen Ammanies 2007 und 2008 ( Kontakt und Homepageverwaltung über Thomas Gschweng, EH Ludwigsburg) , die Projektverantwortliche Prof. Dr. Katja Baur ( EH Ludwigsburg) oder bei den für das Ammanprojekt zuständigen Professoren und Professorinnen ( Prof. Dr. Katja Baur, EH Ludwigsburg; Prof. Dr. F. Heckmann, FH Hannover; Prof. Dr. Kahrs, FH Moritzburg; Prof. Dr. H. Keßler, EH Berlin; Prof. Dr. G. Stolz, EFH Nürnberg)





